Zum Verdienstausfallschaden in Folge eines Verkehrsunfalls

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat sich mit dem Verdienstausfallschaden in Folge eines Verkehrsunfalles beschäftigt:

Hindern „andere“ Gründe die Eintrittspflicht?

„Entgegen der Ansicht des Beklagten zu 1. kommt es freilich nicht darauf an, ob die Arbeitsunfähigkeit zu 100% auf dem Unfall beruht; vielmehr haftet der Schädiger bereits dann für den tatsächlich eingetretenen Verdienstausfall voll, wenn dieser Verdienstausfall zumindest auch auf dem schädigenden Ereignis beruht. Erst dann, wenn das Schadensereignis sich in keiner Weise mehr ursächlich im beruflichen Werdegang des Geschädigten niederschlägt, entfällt die weitere Haftung. Daneben kann die Haftung nur dadurch eingeschränkt sein, wenn dem Geschädigten mit Erfolg vorgehalten werden kann, er habe trotz weitergehender Arbeitskraft und entgegen seiner nach § 254 BGB bestehenden Schadensminderungspflicht zumutbare Erwerbsbemühungen unterlassen, aufgrund derer er einen geringeren Verdienstausfall erlitten haben würde. […]

Zur Frage des Wiedereintritts in den Beruf

Aber auch für die nachfolgende Zeit ist der gedankliche Ansatz, die nach Ansicht von SV2 mögliche Einsetzbarkeit als Berufskraftfahrer führe ohne Weiteres dazu, dass der Kläger sich so behandeln lassen müsse, als übe er diesen Beruf wieder aus, ist nicht zutreffend. Maßgeblich ist für die Ursächlichkeitsbetrachtung zunächst nur, dass der Kläger unfallbedingt seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausgeübt hat und nun tatsächlich auch nicht wieder ausübt. 

Die Fiktion wäre nur dann gerechtfertigt, wenn dem Kläger die Wiederaufnahme seiner früheren Tätigkeit objektiv und subjektiv möglich gewesen wäre und er sich nicht veranlasst sehen durfte, nach Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit für den „Schonberuf“ zu entscheiden. Rechtlich ist das allerdings dann keine Frage des Ursachenzusammenhangs, sondern des Mitverschuldens. Ein solches Mitverschulden lässt sich nicht feststellen.“

OLG Frankfurt am Main, 02.11.2015 – 25 U 159/12

Zum Verdienstausfallschaden in Folge eines Verkehrsunfalls

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