Rennen Sie auch gern gegen Glaswände?

Achtung: Im Folgenden kann Ihnen leichte Satire begegnen. Wir möchten ausdrücklich davor warnen, sich zu heftig gegen die Stirn zu schlagen. Leichte Benommenheit (noch mehr als sonst auch) könnte die Folge sein. 

Zugegeben. Hin und wieder benimmt sich jeder von uns einmal ungeschickt. Sei es ein Witz zu viel. Eine anzügliche Bemerkung oder eine schwungvolle Tanzeinlage bei der Weihnachtsfeier.

Auf einer Fachtagung hat sich eine Frau, die Klägerin, zwar nicht daneben benommen. Jedoch war Sie ihrerseits kurz benommen, als sie gegen eine Glasscheibe gelaufen ist. Das mag irgendwie peinlich sein, jedoch hat die Dame nicht nur den Kampf mit der Glasscheibe verloren, sondern auch das Verfahren vor dem Landgericht Essen. Von der Beklagten verlangte die Klägerin daraufhin Ersatz von materiellen Schäden und immateriellen Schäden (Aua das tat weh) in Höhe von ca. 7200 €. Wir übersetzen kurz das Fachurteil des Landgerichtes:

„Die Klage ist unbegründet.“

= Netter Versuch, aber Nein.

„Die Kammer vermag eine Verkehrssicherungspflichtverletzung der Beklagten nicht zu erkennen. Es hat sich vielmehr eine Gefahr verwirklicht, die dem Risikobereich der Klägerin zuzurechnen ist.“

= Wer gegen Glasscheiben rennt, ist doch nun wirklich selber Schuld.

„Diese Gestaltung der Räumlichkeiten und insbesondere der deutlich sichtbare Durchgang zwischen dem Auditorium und dem Foyer sorgen dafür, dass die Beklagte nicht damit rechnen musste, dass ein Teilnehmer der Veranstaltung die Glaswand nicht wahrnimmt und es zu einem Unfall kommt.“

= Das Gericht legt der Klägerin nah, das nächste mal eine Brille aufzusetzen.

„Selbst für den Fall der Bejahung einer Verkehrssicherungspflichtverletzung, liegt ein Mitverschulden der Klägerin vor, das ein mögliches Verschulden der Beklagten in den Hintergrund treten lässt.“

= Das ist der juristische Fachterminus für: Sie sind leider zu dusselig, als das Gesetz sie noch schützen kann.

LG Essen, 01.06.2015 – 18 O 270/14

Von unserer Seite kann nur noch vorgeschlagen werden:

  1. Aufklebebilder von Vögeln auf die Fenster kleben. Das hilft sowohl bei Drosseln, als auch bei Schnapsdrosseln.

  2. Weiträumig Warnschilder verteilen. Darauf achten, dass vor möglichen Gefahren, die durch Warnschilder verursacht werden, gewarnt wird.

  3. Die Scheiben nicht mehr putzen. Dreck, Blut und Fett von den Personen, welche mit den Scheiben kollidiert sind, bilden eine natürliche Schutzschicht.

  4. Scheiben entfernen. Das sorgt auch für eine natürliche Belüftung, bei nur mäßig ansteigenden Heizkosten.

Rennen Sie auch gern gegen Glaswände? (Mit sinnvollen Vermeidungsstrategien)

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