Verwendung von anlässlich einer Straftat gewonnenen Erkenntnisse durch eine Telefonüberwachung im Bußgeldverfahren

Die Telefonüberwachung greift tief in die Rechte der Beschuldigten ein und ist daher nur in besonders zugelassenen Fällen möglich (bei sogenannten Katalogstraftaten). Im vorliegenden Fall hat sich nach der rechtmäßigen Anordnung der Telefonüberwachung ein hinreichender Tatverdacht nicht ergeben, sodass das Verfahren gemäß § 170 II StPO eingestellt wurde. Jedoch kam  anlässlich der Maßnahme ans Licht, dass eine Ordnungswidrigkeit begangen wurde. Dem Oberlandesgericht Oldenburg hat sich dabei die Frage gestellt, ob die gewonnenen Erkenntnisse auch im Ordnungswidrigkeitenverfahren verwendet werden dürfen. Dies hat das Gericht verneint. Dazu im Einzelnen:

„Ist danach eine Maßnahme nach der StPO nur bei Verdacht bestimmter Straftaten zulässig, so dürfen die aufgrund einer solchen Maßnahme erlangten personenbezogenen Daten ohne Einwilligung der von der Maßnahme betroffenen Personen zu Beweiszwecken in anderen Strafverfahren nur zur Aufklärung solcher Straftaten verwendet werden, zu deren Aufklärung eine solche Maßnahme nach diesem Gesetz hätte angeordnet werden dürfen. Soweit es sich bei den dem Betroffenen vorgeworfenen unzulässigen Datenabfragen aber um dieselbe Tat im prozessualen Sinne, wie sie dem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren zugrunde lag, gehandelt hat, wären die durch die Telefonüberwachung erlangten Erkenntnisse grundsätzlich auch hinsichtlich sonstiger Straftatbestände verwertbar. Dies ergibt sich schon aus der Gesetzesbegründung (vgl. BT Drucksache 16/5846, S. 64, 66).

Der Verwendung der durch die Telefonüberwachung gewonnenen Erkenntnisse, sei es unmittelbar oder als Spurenansatz, steht aber die Wertung des § 46 Abs. 3 Satz 1 OWiG entgegen. § 46 Abs. 3 Satz 1 ist Ausfluss des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit von Mittel und Zweck, Anlass und Wirkung, Methode und Ziel verlangt, dass eine Maßnahme unter Würdigung aller persönlichen und tatsächlichen Umstände des Einzelfalles zur Erreichung des angestrebten Zweckes geeignet und erforderlich ist und dass der mit ihr verbundene Eingriff nicht außer Verhältnis zur Bedeutung der Sache und zur Stärke des bestehenden Tatverdachts steht (KK-OWiG, 4. Aufl. – Lampe, § 46 Rn. 12). Aus den gesetzlichen Regelungen kann der Wille des Gesetzgebers gefolgert werden, dass im Bußgeldverfahren von Eingriffsbefugnissen zurückhaltend Gebrauch zu machen ist (KK, aaO., Rn. 13).

Der Eingriff in das Fernmeldegeheimnis ist eine schwerwiegende Ermittlungsmaßnahme, die für das Ordnungswidrigkeitenverfahren ausdrücklich für unzulässig erklärt worden ist. Aber nicht nur die Anordnung einer Telefonüberwachung zum Zwecke der Aufklärung einer Ordnungswidrigkeit ist ein unverhältnismäßiger Eingriff, sondern auch die Auswertung einer – zur Aufklärung einer Straftat – in zulässiger Weise angeordneten Telefonüberwachung im Hinblick darauf, ob Bußgeldtatbestände verwirklicht sind.“

OLG Oldenburg, 14.12.2015 – 2 Ss (OWi) 294/15; 2 Ss OWi 294/15

Referendare aufgepasst: Verwendung von anlässlich einer Straftat gewonnenen Erkenntnisse durch eine Telefonüberwachung im Bußgeldverfahren

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